Erschienen am: 1783406846
Landkartenprojekte im Wandel der Zeit
Die Kartenprojekte des 20. und 21. Jahrhunderts spiegeln den Wandel von Politik und Gesellschaft. Standen in der Nachkriegszeit noch zivilmilitärische Zwecke im Fokus der Landkartenproduktion, so stehen heute die Freizeitgestaltung und die digitale Recherche im Vordergrund.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand die Landesvermessung vor der Herausforderung eines kartographischen Neuanfangs. Vom damaligen Bayerischen Landesvermessungsamt wurden die bisherigen Atlasblätter im Maßstab 1:50 000 zunächst aktualisiert und gedruckt. Doch sehr schnell stellte sich heraus, dass die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen eine grundlegende Veränderung der topographischen Kartenwerke erforderten. Insbesondere nach der Wiederaufstellung der Bundeswehr bestand die Notwendigkeit, die Landesverteidigung mit einem modernen, gänzlich neu gestalteten Kartenwerk im Maßstab 1:50 000 auszustatten. Die Herstellung der neuen Topographischen Karte im Maßstab 1:50 000 (TK50) mit farbgetrennter Schichtgravur auf Glas begann 1956, acht Jahre später war sie mit 157 Blättern fertiggestellt. Konzipiert als zivilmilitärische Karte wird sie gleichermaßen von Öffentlichen Verwaltungen und Privatpersonen, aber auch vom Militär genutzt. Als zuverlässige Planungsgrundlage dient sie gleichermaßen für Polizei, Feuerwehr und Rettungskräfte. Die Topographische Karte im Maßstab 1:100 000 (TK100) ist ebenfalls Teil einer bundeseinheitlichen Kartenserie, die das ganze Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland abdeckt. Auch diese Karte ist zivilmilitärisch konzipiert. Die 43 Blätter wurden in der Zeit von 1971 bis 1976 hergestellt.
Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem politischen Umbruch 1989/90 sank der Bedarf an umfangreichen militärischen Karten und es begann eine neue Ära in der Kartographie, die sich der Produktion von Freizeit- und Touristikkarten widmete. Wurden zuvor topographische Karten für militärische Planungen und strategische Zwecke entwickelt, so entstanden jetzt Karten für Wanderungen, Radtouren und Freizeitgestaltung. Die Umgebungskarte im Maßstab 1:50 000 (UK50) wurde in der Zeit von 1964 bis 2016 flächendeckend für ganz Bayern erarbeitet. Sie umfasst 52 Kartenblätter, die unter dem Motto „Freizeit kompakt“ stehen. Die Karte enthält das Rad- und Wanderwegenetz einer touristischen Region auf einem Kartenblatt. Die Amtliche Topographische Karte im Maßstab 1:100 000 (ATK100) wurde in der Zeit von 2013 bis 2017 erarbeitet und steht unter dem Motto „Freizeit im Überblick“. Sie besteht aus insgesamt 19 Kartenblättern. Die ATK100 bietet einen raschen Überblick über ein großes Gebiet und ist ideal zur Planung weiträumiger Touren. Die Amtliche Topographische Karte im Maßstab 1:25 000 (ATK25) wurde in der Zeit von 2008 bis 2018 erstellt. Das Besondere an dieser Karte, die unter dem Motto „Freizeit im Detail“ steht und aus 237 Kartenblättern besteht, ist die große Detailgenauigkeit zur Planung von Wanderungen und Radtouren.
Passend zum digitalen Zeitalter hat die Bayerische Vermessungsverwaltung den BayernAtlas entwickelt. 2012 wurde dieses Großprojekt freigeschaltet. Der BayernAtlas ist ein zentraler, kostenfreier und interaktiver Online-Kartendienst. Er ist im Internet unter der Webadresse https://atlas.bayern.de/ (externer Link, öffnet in neuem Fenster) aufrufbar und verfügt über ein umfangreiches und vielschichtiges Kartenmaterial für das gesamte Gebiet des Freistaats Bayern. Darüber hinaus beinhaltet der zahlreiche weiterführende Datensätze zu Themenbereichen wie z.B. „Kultur und Heimat“, „Umwelt und Naturgefahren“, „Planen und Bauen“ oder „Verwaltung und Bildung“, womit der BayernAtlas zu einem unverzichtbaren modernen Recherchemittel wird.